Rettung von Kitzen überfahrener Ricken

In den vergangenen Tagen bekam ich eine Zeitungsmeldung mit einer erstaunlichen Geschichte aus dem Landkreis Offenbach geschickt: eine Ricke war von einem Auto überfahren worden. Bevor das Reh verendete, brachte es noch ein lebendes Junges zur Welt. Fahrer und Beifahrer des Autos trockneten und wärmten das Neugeborene, eine Polizeistreife brachte es zur Wildauffangstation nach Dudenhofen. Das zweite Kitz überlebte den Zusammenstoß nicht.

Wie die Polizei mitteilte, nahm das Kitz bereits die erste Milch aus der Flasche an. Den weiteren Verlauf habe ich leider nicht in Erfahrung gebracht.

Ein ähnlicher Bericht kam aus dem Südkreis Biedenkopf: hier brachte eine gerade überfahrene Ricke sogar noch Drillinge auf die Welt! Ein Kitz überlebte nicht, die anderen beiden wurden sofort zu einer Tierärztin gebracht. Aber auch diese verendeten am nächsten Tag.

Nach Aussage eines Jägers, der viel  Erfahrung mit der Aufzucht von verwaisten Wildtieren hat, ist es extrem schwierig und aufwendig, ein so junges Reh durchzubekommen, wenn es nicht in den ersten Tagen die sogenannte „Biestmilch“ (Kolostrum) von seiner Mutterbekommen hat. Diese ist anders zusammengesetzt als die spätere Milch und enthält u.a. sehr wichtige Immunstoffe, die als Antikörper das Kitz vor Infektionen schützen. Man kann versuchen, sie durch Biestmilch von Ziegen zu ersetzen, die man aber wohl kaum so schnell auftreiben kann. Daher wird es in Laienhand wohl kaum gelingen, ein neugeborenes Kitz zu retten.

I. Knapp

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.