Mit Knallfröschen gegen Frösche!

Bevor unsere NABU-Freunde zum Telefon greifen, hier des Rätsels Lösung: Unter uns Jägern heißen die Frischlinge bekanntlich auch „Frösche“.
Was war passiert? Die überaus reiche Mast an Bucheckern und Eicheln schon Ende September des vergangenen Jahres (bis zu 40 t auf 10 ha Buchen- und Eichen-Altholz -bestand), hatte zur Folge, dass bereits im Oktober die Rauschzeit der Bachen begann. Im Jahr zuvor ohne Mast habe ich die Rausche meiner Familienrotte auf der Sackpfeife erst im Januar beobachtet. In diesem Winter waren daher die ersten Frischlinge bereits im Januar auf der Welt. Leider war der Januar durchgehend nasskalt mit Regen und Schnee, so dass viele Frischlinge an Unterkühlung starben. Bei trocken-kaltem Wetter sind die von der Bache angelegten Wurfkessel regelrecht mollig warm. Der Februar in diesem Jahr war trocken und richtig kalt. Bei wenig Schnee war der Boden knochenhart gefroren.
Mitte Februar häuften sich die Anrufe bei mir, dass im Bereich der B 253 auf der Sack- pfeife vor der Abzweigung zur Sendestraße Bachen mit ganz kleinen Frischlingen im Straßengraben am Brechen wären. Sogar ein Jagdaufseher aus einem Westerwald- revier, der bei der Bundeswehr in Frankenberg Dienst tut, rief an, dass er regelmäßig die Sauen beobachten würde. In seinem Revier hätte er im ganzen Winter nicht eine Sau gefährtet (nach seiner Meinung Auswirkungen der Schweinepesthysterie mit dem angeordneten Totalabschuss).
Nach einem erneuten Anruf eines Autofahrers, dem ein Frischling sogar vor sein Auto gelaufen war, bin ich selbst dem Fall nachgegangen. Die Sauen, einschließlich ihrer kleinen Frischlinge (Frösche), durchwühlten auf mehrere 100 m den gesamten Straßen- graben, aber nur auf der Seite, auf der das Regenwasser der Straße abgelaufen ist. Der erste Verdacht, die Sauen suchen das reichlich im Januar auf die Straße gestreute Salz, wäre ein Grund für die Anziehungskraft des Straßengrabens. Die Ursache erklärt sich jedoch recht einfach. Während der Waldboden tief gefroren war, ist der Straßengraben durch das Salzwasser aufgetaut. Bekanntlich suchen die Sauen vor allem bei guter Eichelmast nach tierischem Eiweiß.
Was tun? Nachdem ich an mehreren Abenden die Sauen mit Dauerhupen versucht habe zu vertreiben, waren sie jedoch spätestens nach 1 Stunde wieder da. Es gibt sicherlich in unserer Kulturlandschaft keinen Frischling, kein Rehkitz und kein Hirschkalb, das nicht schon früh an den Autolärm – der in der Regel auch ungefährlich ist – gewöhnt ist. Mir fiel ein, dass bei der Silvesterknallerei selbst die Kanonenschläge und Leuchtraketen meine Wildschweinpflegekinder zu Hause nicht sonderlich erschreckten. Die von den Nachbarskindern in den Garten geworfenen Knallfrösche und Heuler verursachten jedoch Panik und sie suchten bei mir als „Führungsbache“ Schutz.
Ausgerüstet mit einigen Knallfröschen, die noch aus der Jugendzeit meiner Söhne stammten, bin ich am nächsten Abend zu den Straßengrabenwühlern gefahren. Mit eingeschalteten Warnblinkern habe ich die unbekümmert wühlenden Wildschweine mit Knallfröschen überrascht. Die Aufregung war groß. Die Frösche sausten zwischen den umherhüpfenden Knallfröschen laut quiekend umher und die Bachen haben wütend und brummend zum Rückzug geblasen. Von den Sauen habe ich in den nächsten Wochen keine der schlauen Tiere mehr im Bereich der Bundesstraße gesehen. Mit den wärmer werdenden Tagen taute der Boden auch im Wald auf und die Schwarzkittel konnten wieder tüchtig im Wald und leider auch in den Wiesen ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Brechen und Wühlen, nachgehen.

Eurer B. Weide

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