Meine erste Sau

Erlegt im Biedenkopfer Stadtwald am 23.10.2015

Meine Feuerprobe habe ich bestanden. Ich habe meine erste Sau erlegt und dies sogar ohne Nachsuche. Ein tolles Erlebnis.

Erste Sau

Die erste Sau von Dr. Manuel Brusius

Doch diesem freudigen Ereignis ging eine lange Wartezeit mit vielen Ansitzen voraus. Nach bestandener Jägerprüfung im Mai 2015 und dem ersten erlegten Bock im Revier in Rauschenberg wuchs mein (großer) Wunsch meine erste Sau zu erlegen. Jagd auf Schwarzwild, anspruchsvoll und spannend. Die erste Sau, das war mein großes jägerisches  Ziel.

Engagiert und frohen Mutes setzte ich mich regelmäßig auf Sauen an. Jede Mondphase wurde ausgenutzt. Jede freie Stunde saß ich an. Jedoch vergebens.

Entweder kam nichts, sie standen zu weit weg oder das Licht reichte nicht aus. Leicht enttäuscht berichtete ich eines Abends meinem Berufskollegen Rudi Mayer, einem erfahrenen Jäger, von meinen vergeblichen Ansitzen auf die Schwarzkittel. Daraufhin lud er mich zu einer Ansitzjagd in seinem Revier Biedenkopf EJI ein. Er prophezeite, da ich seine Zahnarztpraxis im Winter übernehmen werde, würde ich auch meine erste Sau in seinem Revier schießen. Vielleicht sei mir Diana ja genau an diesem Freitag hold. Wir mussten beide schmunzeln. Und so kam der Tag der gemeinsamen Ansitzjagd.

Nach der Begrüßung, Einweisung und gegenseitiger Waidmannsheilbekundungen

wurden die Jäger von den Anstellern eingewiesen und  angesetzt. Für mich war eine Leiter vorgesehen. Es war ein toller Morgen. Die Sonne kam heraus. Das Wild ließ jedoch auf sich warten. Plötzlich kam eine große Rotte Sauen ganz ohne Vorwarnung  gut 100m entfernt von links kommend vorbei gelaufen. Ehe ich im Anschlag war, kamen auch schon die Hunde und der Spuk war vorbei. Tief Luft holend und die Lippen aufblasend nahm ich das Gewehr wieder herunter. Das war deine Chance, dachte ich. Was für eine große Rotte. So eine wird bestimmt so schnell nicht wieder kommen. Heute wird es doch nichts mit deiner ersten Sau. Ich setzte mich hin und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen. Holte meine Brotzeit heraus und begann zu essen. Und ehe ich den zweiten Bissen im Mund hatte, raschelte es im Bestand links neben mir. Ich legte aufgeregt die Stulle zur Seite und nahm das Gewehr. Puh…jetzt ruhig bleiben, sagte ich mir im Stillen. Jedoch hörte ich plötzlich zu diesem immer lauter werdenden Rascheln auch ein Glöckchen bimmeln. Und da kam er auch schon schnellen Schrittes heraus. In Schutzweste gekleidet, mit Glöckchen am Hals, lief der Jagdterrier vor mir vorbei. Ein Schmunzeln konnte ich mir in diesem Moment nicht verkneifen. Wollte mein Gewehr gerade wieder ablegen, da setzte sich das Rascheln links neben mir fort. Ich traute meinen Augen nicht. Hinter dem Hund kam eine dicke Sau aus dem Bestand gelaufen. Sie lief auf direktem Wege in eine Brombeerdickung hinein. Nun konnte ich sie nur noch anhand der sich bewegenden Brombeersträucher verfolgen. Diesmal wollte ich die Gelegenheit nutzen und ging aufgeregt in den Anschlag und versuchte den Bewegungen zu folgen. Sie sprang mit einem großen Satz aus den Brombeeren heraus. Nun musste ich mich beeilen, da ich meinen Oberkörper schon sehr stark  nach rechts aus der Leiter heraus hatte drehen müssen. Als ich gut drauf war, nutzte ich die Chance und drückte ab. Es gab einen lauten Knall und die Sau sackte zusammen. Ich repetierte durch und blieb mit dem Gewehr im Anschlag. Sicher ist sicher, dachte ich mir. Doch nach ein paar Sekunden ohne Regung der Sau war mir klar, die Sau ist erlegt! Überglücklich entspannte ich das Gewehr und nahm es herunter. Ich hatte meine erste Sau erlegt! Sie lag im Knall!   Toll!. Ich konnte es noch gar nicht glauben, dass ich gerade diesen dunklen großen Brocken erlegt hatte. Was für ein Erlebnis. Die Prophezeiung Dr. Mayers wurde wahr.

Als endlich Hahn in Ruh war, machte ich mich sogleich mit stolzer Brust auf die Suche nach der erlegten Sau. Ich kämpfte mich durch die Brombeerdickung zu meiner Sau. Glücklich hielt ich kurz inne und begann mit der Bergung. Gleich darauf kamen mit freudigen Schritten  mein Jagdherr und einige Mitjäger lachend auf mich zu. Breit grinsend wünschten sie mir Waidmannsheil. Nun ging es an die rote Arbeit. Die große Sau (ca. 70kg) musste ja schließlich noch waidmännisch versorgt werden.

Auf der Hasenhardt  wurde Strecke gelegt und  verblasen. Der Tradition folgend bekam ich von meinem  Jagdherren einen Bruch überreicht. Ich hatte nicht nur meine erste Sau erlegt, ich war auch noch Jagdkönig, ich freute mich wie ein König und die ganze Jagdgesellschaft freute sich mit mir.

Ein toller Tag, den ich ganz bestimmt so schnell nicht vergessen werde.

Waidmannsheil

Dr. Manuel  Brusius

 

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