Mein erster Nachtansitz als Jungjägerin

Es war Vollmond, Anfang Oktober, mein Handy klingelt, es ist der Beständer, oh was für eine freudige Erwartung! Heute Nachtansitz, die Sauen sind da, willst du auch mit raus, waren seine Worte. Ohne lange nachzudenken, sagte ich ja. Der Ansitz wurde schnell geklärt und die Mitteilung, dass alle Jäger heute draußen sitzen. Kurze Anweisungen folgten noch, wie z. B., wann aufgebaumt werden soll sowie die geplante Zeit des Ansitzens. Überpünktlich bin ich an meinem Ansitz, baume auf, richte mich ein und gebe kurz per SMS Bescheid, dass ich fertig eingerichtet bin. Der Mond macht die Wiesen fast taghell, es ist eine unglaublich gute Sicht, und eine Ruhe, himmlisch, obwohl die Straße nicht mehr als 10 Meter entfernt ist. Aber die Baustelle und die Uhrzeit sorgen für Ruhe.
Zwei Stück Rehwild wechseln schnell flüchtig an mir vorbei. Fünf Minuten später raschelt es unterm Sitz, es sind drei Hasen, die aus der Dickung vor dem Wäldchen rauskommen. Ich genieße die Ruhe und das Beobachten des Wildes, ich höre, dass die Hasen vor mir auf der Wiese rumtollen. Nach kurzer Zeit ist es wieder ruhig und die Hasen sind wieder in der Dickung verschwunden. Ich höre, dass die Eichhörnchen die Bäume raufklettern. Dann schnürt ein Fuchs auf mich zu in Richtung Dickung, ich lege meine Waffe an und habe ihn im ZF; was für eine gute Schussposition, habe den Rotpunkt gedimmt. Aber wir sitzen ja auf Sauen an, also, der Finger bleibt gerade. Es ist so ruhig, jedes Rascheln im Laub erklingt so laut, vielleicht ist es Kleinraub -zeug oder Mäuse. Ich schaue aufs Handy, es ist fast halb zwölf, da tritt die Ricke mit ihrem Kitz aus dem Nachbarwäldchen aus, die beiden hab ich den ganzen Sommer über beobachtet. Das Kitz ist gut genährt. Beide Stücke ziehen an mir auf 2 Meter vorbei und verweilen zum Äsen keine 7 Meter rechts neben mir. Ich höre, wie beide Stücke äsen. Es ist wirklich schön draußen, hell und ruhig, aber von Sauen ist nicht ein Geräusch zu hören.
Das Rehwild ist immer noch im Umkreis von 10 Metern neben mir, ich kann beide Stücke gut beobachten. Die Zeit vergeht wie im Flug, es ist jetzt fast 2 Uhr und Zeit zum Abbaumen; das Rehwild ist weitergezogen, ich horche nochmal, nichts, kein Schnaufen, kein Grunzen, Rehwild schreckt nicht, also Waffe entladen, einpacken und abbaumen. Jetzt ziehen gelegentlich kleine Wolkenschleier am Mond vorbei, beruhigt schreib ich die SMS, dass ich abbaume und gehe zu meinem Auto, stelle jetzt fest, dass es doch schon recht kühl ist. Aber das erste Mal allein bei Vollmond draußen auf Sauen, diese Nacht werde ich noch lange in meinen Gedanken mit mir tragen!
Allen Jägerinnen und Jägern ein Waidmannsheil

Andrea Hirth

Dieser Beitrag wurde unter Erlebte Jagd veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.